1/x Liebe #Lieblingsbubble, wie versprochen, mal wieder Zeit für ein wenig #Fachwissen. Heute lasse ich #Twitter brennen, es geht um #THC, dieses Akronym steht für Tetrahydrocannabinol (genau genommen 9-Tetrahydrocannabinol). Da ich aber ahne, dass sich wieder die gesamte

Sep 23, 2022 · 9:26 PM UTC

5
12
101
2/x #Cannabislegalisierungstruppe hier an den #Tread ranhängen wird, kommt da ein #Schlösschen dran. Ich werde Euch heute kurz die (derzeit gültigen) gesetzlichen Rahmenbedingungen, die Wirkungsweise, die derzeitige wissenschaftliche Datenlage zum medizinischen Einsatz, die
2
50
3/x derzeit verfügbaren Medikamente sowie mögliche Indikationen erläutern. Also bitte hinsetzen, dauert ein wenig. Um zu verstehen, warum Cannabinoide wirken, muss man deren Wirkprinzip verstehen. Dafür braucht’s das #Endocannabinoidsystem (ECS).Dieses besteht im Wesentlichen aus
1
39
4/x Cannabinoidrezeptoren (CB1 und CB2), aus Endocannabinoiden (EC), die wiederum zwei Hauptvertreter haben (Anandamid unnd 2-Arachidonylglycerol). Beschwert Euch nicht, Ihr wolltet es ja so genau wissen! Nicht ganz verwunderlich, dass sich Rezeptoren und Endocannabinoide im
1
40
5/x Körper unterschiedlich verbreitet wiederfinden lassen. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: oben angegebenes System steuert u.a. Lern- und Bewegungsprozesse, den Energiehaushalt und damit Appetit und Verdauung, viele Stoffwechselprozesse und – ganz wichtig – auch immunologische
1
40
6/x Vorgänge. Kommt das ECS ins Ungleichgewicht, resultieren (meist komplexe) Erkrankungsbilder wie z.B. Migräne, das Fibromyalgiesyndrom (dazu hatte ich schon einmal einen #Thread verfasst), das Reizdarmsyndrom, Multiple Sklerose oder aber auch Morbus Parkinson. A B E R: Das
1
1
42
7/x heißt im Umkehrschluß nicht, dass die Substitution von Cannabinoiden die Therapie dieser Erkrankungen darstellt, das ECS hat lediglich einen ANTEIL an der Entstehung der Erkrankungen, die Therapie ist im Allgemeinen weitaus komplexer (Liebe Cannabisbefürworter: sorry to spoil
1
40
8/x your party). Allerdings konnte in Tierversuchen gezeigt werden, dass die Hinzunahme von Cannabinoiden einen Opioid-sparenden Effekt hat. (IM TIERVERSUCH!). Schaut man sich das System Mensch an, so konnten Cannabinoide in der Behandlung akuter Schmerzen wenig überzeugen,
1
42
9/x deutlicher waren die Effekte hingegen bei chronifizierten Schmerzzuständen, insbesondere bei #neuropathischenSchmerzen (s. auch den #Thread zur #Gürtelrose). Problem: die Güte der (bisherigen) Studien zum Einsatz von Cannabinoiden ist oftmals unzureichend (die sog. Good
1
41
10/x Clinical Practice-Kriterien wurden nicht oder nur unzureichend erfüllt), was generelle Empfehlungen schwierig macht, insbesondere, da Cannabinoide gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen schwerwiegende psychiatrische Erkrankungen hervorrufen oder verschlimmern kann
1
43
11/x (bis hin zur Psychose). Seit April 2017 ist das „Cannabis-als-Medizin-Gesetz“ in Kraft, welches besagt, dass Cannabinoide (nach vorheriger Genehmigung durch die Krankenkassen) zu Lasten der Krankenversicherung verordnungsfähig sind. Die Kassen haben dafür bei ambulanten
1
38
12/x Patienten 5 Wochen, bei stationären oder Palliativpatienten 3 Tage Zeit. In meinem kleinen #Rant zur @ikkclassic kann man übrigens lesen, wie es auch (nicht) laufen kann... Bereits zugelassen (mit klar definierten Indikationen) sind: Sativex® für die Spastik bei der
1
37
13/x Multiplen Sklerose und Canemes® für die Chemotherapie-induzierte Übelkeit und Inappetenz. Daneben schwappen derzeit (wie der Rheinländer sagt) „hömmele“ neue Anbieter auf den Markt, die Pharmavertreter rennen uns die Türen ein, um uns davon zu überzeugen, dass IHR Präparat
2
37
14/x das einzig wahre für UNSERE PatientInnen sei. Grundsätzlich sind auch diverse Blüten verordnungsfähig (wobei ich bei der Frage nach der Verordnung von Blüten immer scherzhaft entgegne, dass ich ja kein Gärtner sei). Der (ernstere) Hintergrund ist, dass von inhalativem Konsum
1
40
15/x seitens eigentlich aller Fachgesellschaften abgeraten wird, da der inhalative Konsum eine sehr rasche Anflutung zur Folge hat und letztlich eine ungleichmäßige Wirkstoffverteilung resultiert. Hier haben meines Erachtens die Fertigarzneimittel aufgrund der standardisierten
1
43
16/x Extrakte deutliche Vorteile. #Cannabidiol(CBD), ein weiteres Extrakt aus dem Medizinalhanf, hat für sich genommen keine analgetische Wirksamkeit, die über den Placeboeffekt hinausgeht (s. CBD-Thread), in Kombination mit THC scheint es in Einzelfällen die Verträglichkeit zu
1
41
17/x verbessern. Wie dosiere ich? Wie immer: start low, go slow. Meistens reichen auch wirklich niedrige Dosierungen (häufig 2x3 – 2x6 Tropfen ölige Dronabinol-Lösung (THC)). ABER: auch THC hat Nebenwirkungen. Die häufigsten zum Absetzen führenden Nebenwirkungen waren bei meinen
1
40
18/x PatientInnen: Müdigkeit, Appetitsteigerung, Konzentrationsstörungen, Angstzustände und auch (sehr selten) Herzrhythmusstörungen. Take-Home-Message: THC stellt ein wichtiges „Add-on-Präparat“ in der Schmerzmedizin dar. Die Wirkstärke wird (nicht zuletzt auch wegen diversen
1
42
19/x unseriösen medialen Beiträgen) oft deutlich überschätzt. Stress und Schlafstörungen werden positiv beeinflusst, im Tierversuch konnte eine Opioid-Einsparung erzielt werden. Die therapeutische Breite von Cannabinoiden ist gering, die Sicherheit hingegen hoch.
1
45
20/x Zum Abschluss: Ich werde mich nicht an der Legalisierungsdebatte beteiligen, ebenso wenig an #whataboutism im Vergleich zum (zu Unrecht legalen Droge) #Alkohol. #Cheers, #EinHerzfürSchmerz
5
64